|
••• VERANSTALTUNGEN IM JUBILÄUMSJAHR NOVEMBER: Arbeitsmarktintegration von ZuwandererInnen und deren Kindern im OECD-Vergleich
Gast: Dr. Thomas Liebig, OECD In etwa 70 Gäste folgten der Einladung zum Vortrag von Dr. Thomas Liebig in die AMS Regionalgeschäftsstelle Linz am 18.11.2010. Die letzte Veranstaltung im Rahmen der Jubiläumsvortragsreihe von migrare setzte sich mit dem Thema Arbeitsmarktintegration auseinander. Grund für den Besuch des OECD Forschungsteams war die 2010 durchgeführte Studie über die Arbeitsmarktintegration von MigrantInnen in Österreich. Österreich ist im Rahmen der OECD Studien das elfte Untersuchungsland. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Mitte nächsten Jahres präsentiert.
"Diskriminierung bzw. Rassismus sind weitere wesentliche Barrieren am Arbeitsmarkt für ZuwanderInnen und deren Kindern."
Zunächst ging Dr. Liebig von einer Humankapital-Perspektive aus. D.h. Menschen mit Migrationshintergrund nehmen bestimmte Ausbildungen in das jeweilige Aufnahmeland mit. Dabei stellt sich die Frage nach der Äquivalenz bzw. nach der Mitteilbarkeit dieser Ausbildungen. Für die sog. zweite Generation stellen sich diese Fragen meist nicht mehr. Sie sind im Aufnahmeland geboren und haben dort ihre Ausbildungen abgeschlossen. Daher – so würde man zumindest annehmen - sollten sie gleiche Chancen am Arbeitsmarkt haben wie Jugendliche ohne Migrationserfahrung. Dem ist aber nicht so. Jugendliche mit Migrationshintegrund haben eine geringere Beschäftigungsquote und ein erhöhtes Arbeitslosigkeitsrisiko. Gründe dafür sind aber v.a. sozialer Natur. Vielfach sind ihre Eltern niedrig qualifiziert oder bildungsfern. Nur wenige Schulsysteme können diese Ausgangssituationen ausgleichen. Hinzu kommt eine strukturelle Benachteilung aufgrund fehlender Netzwerke. Die Vergabe von Lehrstellen, Ausbildungsplätzen und Arbeitsplätzen wird in hohem Maße durch Netzwerkkontakte entschieden. Des Weiteren kann fehlendes Wissen über die kulturspezifische Funktion des Arbeitsmarktes den Einstieg in den Arbeitsmarkt verhindern. Wie ich etwa Bewerbungen schreibe, was ich alles angebe oder eben nicht, ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Diskriminierung bzw. Rassismus sind weitere wesentliche Barrieren am Arbeitsmarkt für ZuwanderInnen und deren Kindern. Hier gibt es v.a. in Österreich einen großen Aufholbedarf, angefangen von Untersuchungen über Diskriminierung in der Arbeitswelt über die Einführung anonymisierter Lebensläufe bis hin zu Anti-Diskriminierungsberatungen für Klein- und Mittelunternehmen.
"Es gibt sehr effektive Integrationsmaßnahmen."
Dr. Liebig schloss seinen Vortrag mit einer Reihe von Good Practise Beispielen aus OECD Ländern. Und hier sollte man Dr. Liebig zur Folge nicht immer nur in die gelobten Integrationsländer wie etwa Kanada oder Schweden schauen. Auch Länder wie etwa Portugal, Norwegen oder Dänemark können einige sehr effektive Integrationsmaßahmen vorweisen. Präsentation Dr. Thomas Liebig Kommunale Integrationsarbeit im Kontext demographischen Wandels Gast: Dr. Rainer Münz Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Stadt Linz und der Volkshochschule Linz
Dr. Rainer Münz ist Leiter der Abteilung Forschung & Entwicklung der Erste Bank und über Österreichs Grenzen hinaus ein renommierter Bevölkerungsexperte. Am 8. November 2010 referierte er im Rahmen der migrare-Jubiläumsvortragsreihe zum Thema „Kommunale Integrationsarbeit im Kontext demographischen Wandels“.
"Österreich wächst, 'ergraut' und wird 'bunter'."
Zunächst stellte Dr. Münz fest, dass es in Österreich, aber auch in anderen westlichen Industriestaaten, drei wesentliche und sehr klar erkennbare Trends für die nächsten Jahre und Jahrzehnte gibt. Das ist zunächst die Prognose, dass Österreich wachsen wird, wobei es auch Regionen geben wird, aus denen Menschen abwandern. Des Weiteren stellte er klar, dass Österreich „ergrauen“ wird, d.h. der Anteil der Menschen über 60 Jahre wird enorm ansteigen. Und zuletzt betonte er, Österreich wird „bunter“, d.h. es wird vermehrt bzw. anhaltende Zuwanderung geben. Die Hauptursachen dieser Bevölkerungsentwicklungen sind die niedrigen Kinderzahlen, die steigende Lebenserwartung, sowie die kräftigen Wanderungsgewinne.
Eine alternde und sich verändernde Gesellschaft bringt viele Herausforderungen mit sich. So z.B. die Frage der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme bei einer Bevölkerung in der mehr als die Hälfte über 50 Jahre sein werden. Hier tun sich stärkere Konfliktlinien zwischen alt und jung, aber auch zwischen zugewandert und nicht-zugewandert auf. Aber auch Zuwanderungs- und Integrationskonzept müssten neu überdacht werden.
"Österreich ist ein Einwanderungsland."
Die Bevölkerungswissenschaft ist eine Wissenschaft die relativ klare und sichere Prognosen über einen größeren Zeitraum abgeben kann. Daher bietet sie eine gute Basis für die Entwicklung von Konzepten und Programmen die zukünftige Herausforderungen bewältigen. Die präsentierten Zahlen und Daten bestätigten wie einmal, Österreich ist ein Einwanderungsland und wird dies auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sein. 22. OKTOBER 2010: Jubiläumsfest
Das 25-jährige Bestehen einer Organisation, ihr stetiges Wachsen, ihre Erfolge, ihre Arbeit, ihre Listungen, ihre MitarbeiterInnen und MitstreiterInnen, sowie das Überleben von Rückschlägen, das Ankämpfen des Gegenwindes und das ständige Meistern von Herausforderungen, gehört aufgezeigt und zelebriert.
Eine festliche Veranstaltung in deren Rahmen gemeinsam gefeiert, zurück und nach vorne geblickt wurde, war ein Schwerpunkt für das Jubiläumsjahr 2010. 700 Menschen folgten der Einladung von migrare am 22.10.2010 in das Linzer Schlossmuseum. Im Mittelpunkt des offiziellen Festakts standen einerseits die Leistungen von migrare in der Vergangenheit und Gegenwart im Bereich der Inklusionsarbeit und dem Einsatz für Chancengleichheit.  
Andererseits wurden die Themen Zuwanderung – Asyl und Inklusion von den politisch Verantwortlichen auch ganz allgemein diskutiert. Zu Wort kamen die neue Landesgeschäftsführerin des AMS Birgit Gerstdorfer, der Gemeinderat Franz Leidenmühler (in Vertretung von BM Dobusch), ÖGB Präsident und AK Direktor Hans Kalliauer, LH-Stv. Josef Ackerl, sowie Nationalratspräsidentin Barbara Prammer.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch eine multimediale Performance von migrare MitarbeiterInnen, Jugendlichen der Volkshilfe Jugendwohnhäuser und TänzerInnen der Anton Bruckner Universität. Mit Hilfe von Sprache, Musik, Video- und Overhead-Visualisierungen sowie einer live-Illustration wurde die Geschichte der Migration im Kontext von Gestern – Heute – Morgen inszeniert.
Die musikalische Umrahmung des Festaktes wurde von dem extra für den Anlass gegründeten Trio „3 Frauen – 3 Länder – 1 Welt“ übernommen. Die drei Musikerinnen boten Lieder aus ihren jeweiligen Herkunftsländern dar. Nach Abschluss des offiziellen Teils des Abends, heizte die Tschuschenkapelle den BesucherInnen ein. Auch Andy Baum gastierte mit Auszügen aus seinem neuen Programm. Das angebotene Buffet war international und deckte mehrere Regionen und Kontinente ab. Wir danken allen UnterstützerInnen und HelferInnen für ein tolles Fest, dass allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird!
MAI: Sozialstaat und Migration Eine Veranstaltung mit Prof. DDr. Nikolaus Dimmel im Rahmen von 25 Jahren „anders sein ist normal“ in Kooperation mit dem AK-Bildungshaus Jägermayrhof Am 11. Mai 2010 wurde der dritte Abend im Rahmen der migrare Jubiläumsaktivitäten in Kooperation mit dem AK-Bildungshaus Jägermayrhof abgehalten. Mehr als 60 Personen folgten der Einladung. Ziel der Veranstaltung war, abseits der im öffentlichen Diskurs häufig verwendeten Polemik und Unsachlichkeit, die Themen „Sozialstaat“ und „Migration“ bzw. deren Korrelationen und Interdependenzen sachlich und konstruktiv zu analysieren.

Die veranstaltenden Organisationen stellten sich gegen eine denunziatorische Funktion des Sozialstaates. Immer häufiger kursieren angeblich belegte Zahlen und Daten über MigrantInnen, die zu Unrecht Leistungen beziehen würden. So z.B. Berechnungen, wonach eine Familie im Asylverfahren im Rahmen der Grundversorgung mehr an Unterstützung erhält als eine österreichische Familie mit Sozialhilfebezug. Es kann nicht sein, dass eine Minderheit gegen eine andere ausgespielt wird. Beide Gruppen sind von Armut stark betroffen. Ein weiteres Anliegen der VeranstalterInnen war, gegen die Reduktion von Menschen mit Migrationshintergrund auf ein Kosten-/Nutzenkalkül aufzutreten. Häufig wird argumentiert, dass MigrantInnen, sofern sie für unsere sozialstaatlichen Sicherungssysteme gewinnbringend sind, auch gerne willkommen sind. Diese Sichtweise spiegelt nicht die Haltung der OrganisatorInnen wider. Prof. DDr. Nikolaus Dimmel ist Politologe und Jurist und forscht seit Jahren sehr intensiv zu sozialstaatlichen Sicherungssystemen, deren Veränderungen und zukünftigen Herausforderungen. Zunächst unterstrich Dimmel, dass die Korrelationen von Sozialstaat und Migration oft sehr schwierig nachzuvollziehen sind, da für Vieles keine Daten vorhanden sind. Klar nachzuvollziehen sind jedoch einige diskriminatorische Verteilungsmechanismen, die Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft ausschließen (z.B. Wohnbauförderung, Sozialhilfe etc.). Andere Leistungen, auf die ein Anspruch bestehen würde, werden hingegen gar nicht erst in Anspruch genommen. So z.B. eine sehr hohe Non-Take-Up Rate in der Gesundenvorsorgeuntersuchung. Hinzu kommt eine gleichwertige steuerliche Beteiligung von MigrantInnen am Bildungssystem bei gleichzeitiger geringerer Inanspruchnahme (s. geringe Anzahl von MigrantInnen an AHS bzw. Universitäten). Weitere Benachteiligungen erfahren MigrantInnen im Bezug auf sozialstaatliche Leistungen, wenn bereits vorgelagert Schlechterstellungen existieren. So erhalten z.B. MigrantInnen ein geringers Arbeitslosengeld, weil auch schon vorher eine geringere Entlohnung erfolgte. Zusammengefasst heißt das, dass MigrantInnen bei der Inanspruchnahme von vielen sozialstaatlichen Leistungen benachteiligt sind, die Finanzierung aber gleichberechtigt mittragen. Dimmel unterstrich in seiner Grundthese, dass die Migrationsfrage als soziale Frage zu stellen ist. Es geht nicht um eine Kulturalisierung oder Ethnisierung von Problemstellungen, sondern vielmehr um unterschiedliche ökonomische Teilhabechancen und deren gesellschaftliche Auswirkungen. Österreich ist ein Einwanderungsland, das auch in Zukunft noch viel mehr Zuwanderung benötigen wird, gerade in Hinblick auf die Aufrechterhaltung unseres Generationenvertrages. Präsentation Prof. DDr. Nikolaus Dimmel APRIL: Arbeitsmigration in Österreich "Wir sind gekommen, um zu bleiben!"  „Der Fremde ist nicht der Wandernde, der heute kommt und morgen geht, sondern der heute kommt und morgen bleibt.“Georg Simmel Im Rahmen der 25-Jahr Feierlichkeiten von migrare – Zentrum für MigrantInnen OÖ fand am 29. April 2010 die Veranstaltung „Wir sind gekommen, um zu bleiben!“ zum Thema Arbeitsmigration in Österreich statt. In Kooperation mit der AK Wels und im Rahmen des Welser Monats für Toleranz und Respekt kam der bekannte Migrationsforscher Mag. August Gächter (Zentrum für Soziale Innovation) zu Wort. Einleitende Worte über die geschichtliche Entwicklung der Arbeitsmigration in der 2. Republik lieferte Mümtaz Karakurt, Geschäftsführer von migrare.
Zunächst verwies Karakurt auf die bisherige Konzeptlosigkeit der österreichischen Politik beim Thema Integration. Arbeitskräfte wurden scharenweise nach Österreich geholt, bereits in den Anwerbejahrzehnten oft dequalifiziert in Niedriglohnsegmenten mit schlechten Arbeitsbedingungen beschäftigt und das alles im Rahmen des sog. „Rotationsprinzips“. Doch es kam anders: Arbeitskräfte wurden geholt und Menschen blieben. Heute stehen wir vor diesen Versäumnissen. Es bleibt aber zu hoffen, dass be i zukünftigen Zuwanderungsentwicklungen nicht die gleichen Fehler begangen werden. Auch Gächter unterstrich die Konzeptlosigkeit der österreichischen Politik. Insbesondere fokusierte er auf den Zusammenhang von Bildung und Integrationsprozessen. Seiner Analyse nach, wird es wie auch schon oft zuvor bei anderen Migrationswellen, auch bei den Nachkommen der ArbeitsmigrantInnen aus den 60er und 70er Jahren drei Generationen brauchen um von gleichberechtigter Teilhabe sprechen zu können. Dieses 3-Generationenmodell hat sich geschichtlich schon häufig bewahrheitet. Leider entgeht Österreich dabei ein enormes Potential an Kompetenzen und Fertigkeiten. Nach wie vor spielen Rassismus und Ausgrenzung eine wesentliche Rolle am Arbeitsmarkt. Obwohl v.a. die zweite Generation der MigrantInnen im Bildungsniveau im Vergleich zu ihrer Elterngeneration stark aufgeholt hat, sind sie noch immer diskriminatorischen Entscheidungen, Prozessen und Strukturen ausgesetzt. Österreich sollte aus den Konsequenzen lernen und eine raschere Integration von zugewanderten Menschen ermöglichen. Denn eines ist sicher, Zuwanderung wird es auch in den nächsten Jahrzehnten geben, ja sogar brauchen! Folder MÄRZ: Frauen und MigrationExpertinnen diskutierten zum Thema In Kooperation mit: FH OÖ Campus Linz Die erste thematische Jubiläumsveranstaltung fand am 24. März 2010 zum Thema "Frauen und Migration" statt. Die anwesenden Expertinnen lieferten wertvolle Beiträge: Miladinka Dujakovic (diplomierte Lebens- und Sozialberaterin bei migrare), Luzenir Caixeta (Koordinatorin und Beraterin bei maiz), Araba Evelyn Johnston-Arthur (Kultur- und Sozialwissenschaftlerin), Tamar Citak (Mitarbeiterin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt), Alev Korun (Abgeordnete der Grünen zum Nationalrat) und Bettina Stadlbauer (ÖGB OÖ, Bereichsleiterin für Frauen, MigrantInnen und Zielgruppen). Durch den Abend führte Dagmar Andree von der AK OÖ, Abteilung Sozialpolitik. Ein Resümee des Abends war die Forderung, dass die österreichische Integrationsdebatte auch geschlechtsspezifisch geführt werden muss und umgekehrt, die österreichische Frauenpolitik ihre Augen aufmachen und erkennen muss, dass ihre Zielgruppe vielfältiger ist als bisher angenommen. Übereinstimmung am Podium bestand weiters über die Notwendigkeit eines neuen, veränderten, in der Öffentlichkeit erzeugtes und wahrgenommenes Bild der Frau mit Migrationshintergrund - weg von Abhängigkeit hin zur mutigen und starken Migrantin! Folder
|