Jubiläumsjahr - 25 Jahre migrare PDF Drucken

25 Jahre migrare
 

VERANSTALTUNGSKALENDER 

MAI: Sozialstaat und Migration

Eine Veranstaltung mit Prof. DDr. Nikolaus Dimmel
im Rahmen von 25 Jahren „anders sein ist normal“
in Kooperation mit dem AK-Bildungshaus Jägermayrhof


Am 11. Mai 2010 wurde der dritte Abend im Rahmen der migrare Jubiläumsaktivitäten in Kooperation mit dem AK-Bildungshaus Jägermayrhof abgehalten. Mehr als 60 Personen folgten der Einladung. Ziel der Veranstaltung war, abseits der im öffentlichen Diskurs häufig verwendeten Polemik und Unsachlichkeit, die Themen „Sozialstaat“ und „Migration“ bzw. deren Korrelationen und Interdependenzen sachlich und konstruktiv zu analysieren.

Karikatur: Franz Durst

Die veranstaltenden Organisationen stellten sich gegen eine denunziatorische Funktion des Sozialstaates. Immer häufiger kursieren angeblich belegte Zahlen und Daten über MigrantInnen, die zu Unrecht Leistungen beziehen würden. So z.B. Berechnungen, wonach eine Familie im Asylverfahren im Rahmen der Grundversorgung mehr an Unterstützung erhält als eine österreichische Familie mit Sozialhilfebezug. Es kann nicht sein, dass eine Minderheit gegen eine andere ausgespielt wird. Beide Gruppen sind von Armut stark betroffen. Ein weiteres Anliegen der VeranstalterInnen war, gegen die Reduktion von Menschen mit Migrationshintergrund auf ein Kosten-/Nutzenkalkül aufzutreten. Häufig wird argumentiert, dass MigrantInnen, sofern sie für unsere sozialstaatlichen Sicherungssysteme gewinnbringend sind, auch gerne willkommen sind. Diese Sichtweise spiegelt nicht die Haltung der OrganisatorInnen wider.

Prof. DDr. Nikolaus Dimmel ist Politologe und Jurist und forscht seit Jahren sehr intensiv zu sozialstaatlichen Sicherungssystemen, deren Veränderungen und zukünftigen Herausforderungen. Zunächst unterstrich Dimmel, dass die Korrelationen von Sozialstaat und Migration oft sehr schwierig nachzuvollziehen sind, da für Vieles keine Daten vorhanden sind. Klar nachzuvollziehen sind jedoch einige diskriminatorische Verteilungsmechanismen, die Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft ausschließen (z.B. Wohnbauförderung, Sozialhilfe etc.). Andere Leistungen, auf die ein Anspruch bestehen würde, werden hingegen gar nicht erst in Anspruch genommen. So z.B. eine sehr hohe Non-Take-Up Rate in der Gesundenvorsorgeuntersuchung. Hinzu kommt eine gleichwertige steuerliche Beteiligung von MigrantInnen am Bildungssystem bei gleichzeitiger geringerer Inanspruchnahme (s. geringe Anzahl von MigrantInnen an AHS bzw. Universitäten). Weitere Benachteiligungen erfahren MigrantInnen im Bezug auf sozialstaatliche Leistungen, wenn bereits vorgelagert Schlechterstellungen existieren. So erhalten z.B. MigrantInnen ein geringers Arbeitslosengeld, weil auch schon vorher eine geringere Entlohnung erfolgte. Zusammengefasst heißt das, dass MigrantInnen bei der Inanspruchnahme von vielen sozialstaatlichen Leistungen benachteiligt sind, die Finanzierung aber gleichberechtigt mittragen.
 

Dimmel unterstrich in seiner Grundthese, dass die Migrationsfrage als soziale Frage zu stellen ist. Es geht nicht um eine Kulturalisierung oder Ethnisierung von Problemstellungen, sondern vielmehr um unterschiedliche ökonomische Teilhabechancen und deren gesellschaftliche Auswirkungen. Österreich ist ein Einwanderungsland, das auch in Zukunft noch viel mehr Zuwanderung benötigen wird, gerade in Hinblick auf die Aufrechterhaltung unseres Generationenvertrages.

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APRIL: Arbeitsmigration in Österreich
"Wir sind gekommen, um zu bleiben!"

Mag. August Gächter

„Der Fremde ist  nicht
der Wandernde, der heute kommt und
morgen geht, sondern der heute kommt
und morgen bleibt.“
Georg Simmel
 
 
 
 
Im Rahmen der 25-Jahr Feierlichkeiten von migrare – Zentrum für MigrantInnen OÖ fand am 29. April 2010 die Veranstaltung „Wir sind gekommen, um zu bleiben!“ zum Thema Arbeitsmigration in Österreich statt. In Kooperation mit der AK Wels und im Rahmen des Welser Monats für Toleranz und Respekt kam der bekannte Migrationsforscher Mag. August Gächter (Zentrum für Soziale Innovation) zu Wort. Einleitende Worte über die geschichtliche Entwicklung der Arbeitsmigration in der 2. Republik lieferte Mümtaz Karakurt, Geschäftsführer von migrare.

Zunächst verwies Karakurt auf die bisherige Konzeptlosigkeit der österreichischen Politik beim Thema Integration. Arbeitskräfte wurden scharenweise nach Österreich geholt, bereits in den Anwerbejahrzehnten oft dequalifiziert in Niedriglohnsegmenten mit schlechten Arbeitsbedingungen beschäftigt und das alles im Rahmen des sog. „Rotationsprinzips“. Doch es kam anders: Arbeitskräfte wurden geholt und Menschen blieben. Heute stehen wir vor diesen Versäumnissen. Es bleibt aber zu hoffen, dass beAK Saal Welsi zukünftigen Zuwanderungsentwicklungen nicht die gleichen Fehler begangen werden.

Auch Gächter unterstrich die Konzeptlosigkeit der österreichischen Politik. Insbesondere fokusierte er auf den Zusammenhang von Bildung und Integrationsprozessen. Seiner Analyse nach, wird es wie auch schon oft zuvor bei anderen Migrationswellen, auch bei den Nachkommen der ArbeitsmigrantInnen aus den 60er und 70er Jahren drei Generationen brauchen um von gleichberechtigter Teilhabe sprechen zu können. Dieses 3-Generationenmodell hat sich geschichtlich schon häufig bewahrheitet. Leider entgeht Österreich dabei ein enormes Potential an Kompetenzen und Fertigkeiten. Nach wie vor spielen Rassismus und Ausgrenzung eine wesentliche Rolle am Arbeitsmarkt. Obwohl v.a. die zweite Generation der MigrantInnen im Bildungsniveau im Vergleich zu ihrer Elterngeneration stark aufgeholt hat, sind sie noch immer diskriminatorischen Entscheidungen, Prozessen und Strukturen ausgesetzt. Österreich sollte aus den Konsequenzen lernen und eine raschere Integration von zugewanderten Menschen ermöglichen. Denn eines ist sicher, Zuwanderung wird es auch in den nächsten Jahrzehnten geben, ja sogar brauchen!

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MÄRZ: Frauen und Migration

Expertinnen diskutierten zum ThemaFrauen und Migration
In Kooperation mit: FH OÖ Campus Linz

Die erste thematische Jubiläumsveranstaltung fand am 24. März 2010 zum Thema "Frauen und Migration" statt. Die anwesenden Expertinnen lieferten wertvolle Beiträge: Miladinka Dujakovic (diplomierte Lebens- und Sozialberaterin bei migrare), Luzenir Caixeta (Koordinatorin und Beraterin bei maiz), Araba Evelyn Johnston-Arthur (Kultur- und Sozialwissenschaftlerin), Tamar Citak (Mitarbeiterin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt), Alev Korun (Abgeordnete der Grünen zum Nationalrat) und Bettina Stadlbauer (ÖGB OÖ, Bereichsleiterin für Frauen, MigrantInnen und Zielgruppen).

Durch den Abend führte Dagmar Andree von der AK OÖ, Abteilung Sozialpolitik. Ein Resümee des Abends war die Forderung, dass die österreichische Integrationsdebatte auch geschlechtsspezifisch geführt werden muss und umgekehrt, die österreichische Frauenpolitik ihre Augen aufmachen und erkennen muss, dass ihre Zielgruppe vielfältiger ist als bisher angenommen. Übereinstimmung am Podium bestand weiters über die Notwendigkeit eines neuen, veränderten, in der Öffentlichkeit erzeugtes und wahrgenommenes Bild der Frau mit Migrationshintergrund - weg von Abhängigkeit hin zur mutigen und starken Migrantin!

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OKTOBER: Festveranstaltung 25 Jahre migrare - Zentrum für MigrantInnen OÖ

Datum: 22. Oktober 2010, 19:00 Uhr
Veranstaltungsort: Schlossmuseum

NOVEMBER: Integrationspotentiale auf städtischer Ebene

November 2010
weitere Informationen folgen